Werk · 2020
Rivers and Shadows
Seit Jahren erschaffe ich meine Serie „verzauberte Landschaften“. Diese Gemäldereihe versucht nicht, die Wälder oder Felder so darzustellen, wie sie sind. Was ich versuche, ist, auf meiner Leinwand ein Gefühl für einen Wald, eine Empfindung eines Feldes, das Pochen eines dichten Nebels, feuchten Bodens und einer Wiese wie der warme Rücken eines pelzigen Tieres zu vermitteln.
Seit Jahren fasziniert mich das Ineinanderweben der blattlosen Äste im späten Herbst oder frühen Frühling, wenn die Blätter abgefallen sind oder noch nicht aus den Knospen hervorgekommen sind. Ich sehe diese vernetzten Zweige als ein unendliches, miteinander verbundenes Netz, das ein verborgenes Geheimnis birgt, und ich möchte hineingehen, direkt in dieses verzauberte Geflecht. Ich erschaffe jede verzauberte Landschaft, als würde ich ein Mandala schaffen. Das Malen ist für mich mehr eine Meditation als alles andere.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich eine schwere Phase durchmachte und alle mich anriefen und fragten: „Wie geht es dir?“ und „Geht es dir gut?“, worauf ich antwortete: „Jetzt geht es mir gut, ich male eine Wiese“. Diese Wiese wurde das erste Gemälde dieser Serie, obwohl ich damals nicht wusste, dass es tatsächlich eine Serie werden würde, aber es fühlte sich an, als hätte ich endlich etwas gefunden, das mir wirklich wichtig ist. Das Jahr war 2012.
Ich war damals noch recht jung und befand mich in einer intensiven Suche nach meinem kreativen Selbst. Manchmal wollte ich mich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen oder etwas Konzeptuelles schaffen. Aber heute, wenn ich meine verzauberten Landschaften erschaffe, denke ich, dass, wenn die Menschen mehr auf das Gefühl hören würden, das man hat, wenn man auf einem Hügel steht und auf die mit Fell bedeckten Graslandschaften blickt, oder auf das bezaubernde Gefühl von Magie, das man beim Betreten eines verzauberten Waldes empfindet – Empfindungen, die Menschen verschiedener Kulturen und sozialer Schichten gut kennen –, dann gäbe es sicherlich weniger Böses auf dieser Erde.
Einmal, im November, kam ich in meinen Lieblingswald. Die Wälder waren feucht und der Wald war violett. Der Boden war rostrot, purpurn gefärbt von den gefallenen Blättern, die zu verrotten begannen. Ich betrachtete all diese Schönheit und dachte: „Das ist so erhaben, dass ich nicht traurig wäre zu sterben und in dieser magischen Welt aufzugehen.“ Ich male meine Landschaften als Muster, als Abstraktionen. Ich interessiere mich nicht für exakte physische Ähnlichkeit.
- Jahr
- 2020
- Künstler
- Polina Kuznetsova
- Ausgestellt in