Werk · 2022
Landschaft mit CO2-Kompensation
Ich war ein sehr junger Junge, als ich von einer Maschine in einem Geschäft fasziniert war: einer Schreibmaschine mit einem LCD-Segmentdisplay. Sie war ein greifbarer Beweis für eine Traumzukunft, damals „das Jahr 2000“ genannt, die uns fliegende Autos und hilfreiche humanoide Roboter bringen sollte. Ich wuchs auf und organisierte mein berufliches und kreatives Leben, das von dieser kindlichen Faszination für die Wunder der Technologie geprägt war.
Man muss reif genug sein, um zu verstehen, wann das Festhalten an diesen Versprechen einer wohlwollenden und spielerischen Zukunft einen zum ergebenen Konsumenten macht. Später brach ich mit dieser Utopie von Überfluss, Leichtigkeit und technischem Komfort, nicht ohne Schwierigkeiten. Nachdem ich Kritiker meiner eigenen Wünsche geworden war, lebe ich nun mit diesem Qual: Unsere Energie zum Bauen trägt unser eigenes Verderben in sich. Es gibt jene Gurus, die wir verehren, jene Schöpfer von Juwelen, Vergnügungen und Reichtümern, die das Versprechen unseres individuellen Glücks im technologischen Fortschritt besingen. Diese erfinden Lösungen, die das Problem erst aufwühlen. „Kontrolliere immer deine Geschwindigkeit“, sagte der Fahrlehrer; heute weiß niemand mehr, wie man bremst.
Alles, was ich heute erschaffe, ist von diesem Zweifel und dieser Schuld durchdrungen, in der Erkenntnis, dass mein unschuldiges Vergnügen am Schaffen von dem abhängt, was unser Rennen in die Katastrophe antreibt.
Doch Energie ist der Motor der Menschen. Kunst besitzt diese Art von Energie, charismatisch und verbindend. Wenn ich wenig an die Technologie glaube, die Menschheit zu retten, setze ich meine Hoffnung auf die Menschheit, ihr Gewissen, die Universalität ihrer Liebe. Wenn Künstler nur eine Macht haben, dann die, manchmal die Herzen der Menschen zu berühren, und in diesem Sinne habe ich die Pflicht, weiter zu versuchen.
„Landscape with carbon offset“ ist eine ehrliche Kritik meines eigenen Bewusstseins als Künstlerin, die mit Technologie arbeitet. Die Leinwand, auf der der Wunsch, neue Kunstformen zu erforschen, ausgedrückt wird, wird immer mit den Kohlenwasserstoffen befleckt bleiben, die ich beim Verbrennen mitverantwortet habe; die technologischen Lösungen, auf die wir unser Vertrauen setzen, sind kaum mehr als Wege, unsere Schuld abzuwaschen. Aus diesen Gründen brauchen wir in schweren Zeiten mehr denn je Schönheit in unserem Leben.
- Jahr
- 2022
- Künstler
- Michaël Zancan
- Dimensionen
- 110 cm x 195,5 cm
- Ausgestellt in